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Dein Tagebuch für vestibuläre Migräne

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Hinweis: Diese Übersicht ersetzt keine ärztliche Beratung. Sie dient als Diskussionsgrundlage für Gespräche mit Neurologen, HNO und Endokrinologen.
Was ist vestibuläre Migräne?

VM ist eine Migräne-Variante, bei der Schwindel das Leitsymptom ist – nicht der Kopfschmerz. Sie ist die häufigste Ursache spontan wiederkehrender Schwindelattacken.

  • Frauen 3× häufiger betroffen
  • Lebenszeitprävalenz ca. 1 %, oft unterdiagnostiziert
  • Kein Innenohrproblem, sondern zentrale Übererregbarkeit
  • Migräne-Mechanismen (CGRP-Ausschüttung, trigemino-vaskuläre Aktivierung) betreffen auch vestibuläre Bahnen und Kerne im Hirnstamm
  • CGRP-Rezeptoren im Innenohr nachgewiesen – erklärt Druck, Tinnitus, Bewegungsempfindlichkeit
Diagnosekriterien

Definite VM – alle Kriterien müssen erfüllt sein:

  1. ≥ 5 Episoden mit vestibulären Symptomen, 5 Min bis 72 Std Dauer
  2. Aktuelle oder frühere Migräne (mit/ohne Aura)
  3. Bei ≥ 50 % der Episoden ≥ 1 Migräne-Merkmal:
    • Kopfschmerz (einseitig, pulsierend, mittel-/stark)
    • Photo- und Phonophobie
    • Visuelle Aura
  4. Nicht besser durch andere Diagnose erklärbar

Vestibuläre Symptome: Spontaner Drehschwindel, Positionsschwindel, visuell ausgelöster Schwindel, Kopfbewegungs-induzierter Schwindel/Unsicherheit

Wichtig: Häufig kein gleichzeitiger Kopfschmerz – das ist der Hauptgrund für Fehldiagnosen!

Dauer-Verteilung: ~30 % Minuten, ~30 % Stunden, ~30 % mehrere Tage

Diagnostik & Untersuchungen

VM ist eine Ausschluss- und Mustererkennungs-Diagnose.

Anamnese (das Wichtigste!):

  • Schwindeltagebuch über mind. 4–8 Wochen
  • Eigen-/Familienanamnese Migräne
  • Hormonelle Trigger (Zyklus, Pille, Wechseljahre)
  • Schilddrüsen-Anamnese
  • Medikamentenanamnese (Übergebrauch?)

Apparative Diagnostik:

  • MRT Schädel – Ausschluss Tumor, MS, Schlaganfall (bei VM: unauffällig)
  • Reintonaudiometrie – Hörverlust ausschließen (wichtig vs. Menière!)
  • Video-Nystagmographie + kalorische Prüfung
  • Video-Head-Impulse-Test (vHIT)
  • VEMP – Sakkulus-/Utrikulusfunktion

Labor: TSH, fT3/fT4, TPO-Ak, Tg-Ak, BB, Vit B12, Vit D, Eisen/Ferritin

Wichtigste Differentialdiagnosen:

  • Morbus Menière – Triade: Drehschwindel + fluktuierender Tieftonhörverlust + Tinnitus
  • BPPV – sehr kurze Attacken (Sekunden), positiver Dix-Hallpike
  • PPPD – chronischer Schwankschwindel > 3 Monate; oft Folge nach VM!
  • Vestibularis-Neuritis – einmalige akute Drehschwindelattacke

VM kann mit anderen Schwindelformen koexistieren. Bis zu 19 % entwickeln zusätzlich PPPD.

Akutbehandlung
  • Antiemetika: Metoclopramid (MCP) oder Dimenhydrinat (Vomex) – gegen Übelkeit und Schwindel
  • NSAR: Ibuprofen 600–800 mg, ASS 1000 mg, Naproxen 500 mg
  • Triptane: Sumatriptan, Rizatriptan, Zolmitriptan – bei Kopfschmerzanteil. Frovatriptan (lange HWZ) bei langen Attacken
  • Reizabschirmung: dunkler, ruhiger Raum, Augen schließen, kühlen
⚠️ Akutmedikation max. 10 Tage/Monat – sonst Risiko für medikamenten-induzierten Kopfschmerz!
Lifestyle-Prophylaxe (Erste Wahl!)

Oft der größte Einzeleffekt – vor Medikamenten etablieren:

  1. Schlafregelmäßigkeit – immer gleiche Zeiten, auch am Wochenende
  2. Regelmäßige Mahlzeiten – kein Auslassen, stabiler Blutzucker
  3. Hydratation – mind. 2–2,5 L Wasser/Tag
  4. Ausdauersport 3×/Woche 30–45 Min – wissenschaftlich belegt wirksam
  5. Stressmanagement: PMR, Yoga, MBSR
  6. Koffein stabil halten – nicht plötzlich weglassen

Trigger-Management via Tagebuch:

  • Alkohol (bes. Rotwein, Sekt)
  • Reifer Käse, geräuchertes Fleisch, Schokolade (Tyramin, Histamin)
  • MSG, künstliche Süßstoffe (Aspartam)
  • Hormonelle Schwankungen (prä-/perimenstruell)
  • Flackerndes Licht, Scrollen, Streifenmuster

Mediterrane Ernährung wird empfohlen – antiinflammatorisch, gut kombinierbar mit Hashimoto-Empfehlungen.

Supplemente mit Evidenz
Magnesiumcitrat
400–600 mg/Tag
Riboflavin (Vit B2)
400 mg/Tag
Coenzym Q10
100 mg 3×/Tag
Vitamin D3
nach Spiegel, Ziel > 40 ng/ml
Melatonin
3 mg abends

Gut verträglich, günstig, kombinierbar – mind. 2–3 Monate testen bevor systemische Medikamente.

Medikamentöse Prophylaxe

Indikation: Wenn Lifestyle + Supplemente nach 2–3 Monaten nicht ausreichen.

Flunarizin 5–10 mg
Beste VM-Studienlage, aber Müdigkeit/Gewicht
Propranolol 40–160 mg
Lange Erfahrung; KI Asthma
Topiramat 50–100 mg
Wirksam; kognitive NW, teratogen!
Amitriptylin 25–75 mg
Gut bei Schlafstörungen/Depression
Venlafaxin 75–150 mg
Gut bei Depression/Angst
Candesartan 8–16 mg
Gut verträglich, auch bei norm. Blutdruck

Evidenz-Ranking (Netzwerk-Metaanalyse 2023):

Vertigo-Reduktion: Valproat > Propranolol > Venlafaxin > Flunarizin > Placebo

DHI-Verbesserung: Flunarizin > Valproat > Venlafaxin

⚠️ Metoprolol: PROVEMIG-Studie 2019 zeigte bei VM speziell nicht besser als Placebo!
CGRP-Antikörper (Game-Changer)

Die größte therapeutische Innovation für VM. CGRP wird in vestibulären Kernen und im Innenohr exprimiert.

Erenumab (Aimovig)
Anti-Rezeptor, s.c. monatlich
Galcanezumab (Emgality)
Anti-Ligand, s.c. monatlich
Fremanezumab (Ajovy)
Anti-Ligand, s.c. monatlich/quartalsweise

Studienlage:

  • INVESTMENT-Studie 2024: Galcanezumab signifikant besser als Placebo bei VM
  • Russo 2023: 90 % erreichten ≥ 50 % Reduktion der Schwindelfrequenz
  • Lovato 2023: Erenumab senkte DHI von 30,2 auf 8,1

Vorteile: Sehr gut verträglich, keine kognitiven NW, oft Wirkung nach 1 Monat, keine Wechselwirkung mit Levothyroxin

Indikation DE: Nach Versagen von ≥ 2 Standardprophylaktika (GKV-erstattungsfähig)

Bei Kinderwunsch mind. 5 Monate vor Konzeption absetzen.
Hashimoto & VM – die Verbindung
  • Genetische Korrelation zwischen Migräne und Schilddrüsenerkrankungen nachgewiesen
  • Hypothyreose ist häufiger bei chronischer als episodischer Migräne
  • Hashimoto-Patienten zeigen erhöhte vestibuläre Dysfunktion
  • Migräne zeigt Hinweise auf eine autoimmune Komponente

Praktische Konsequenzen:

  1. TSH im unteren Drittel anstreben (1,0–2,0 mIU/L) – mit Endokrinologen besprechen
  2. Antikörper kennen: TPO-Ak/Tg-Ak regelmäßig prüfen
  3. Vit D, B12, Selen, Eisen/Ferritin prüfen
  4. L-Thyroxin konstant morgens, 30 Min vor Frühstück
Wechselwirkungen:
  • Beta-Blocker hemmen T4→T3-Konversion
  • Eisen/Magnesium mind. 4 Std. von L-Thyroxin trennen
  • Flunarizin: Müdigkeit verstärkt bei Hashimoto
Stufenplan

Stufe 0 – Diagnostik (4–8 Wo.):

  • Schwindeltagebuch starten
  • Schwindelambulanz aufsuchen
  • MRT, Audiometrie, vHIT, VEMP
  • Endokrinologie: Hashimoto-Werte komplett

Stufe 1 – Lifestyle + Supplemente (2–3 Mo.):

  • Schlaf, Essen, Bewegung, Hydratation
  • Mg 400–600 mg + B2 400 mg + Q10 300 mg + Vit D
  • Trigger identifizieren via Tagebuch

Stufe 2 – Erste Prophylaxe (3 Mo.):

  • Bei Hashimoto: Amitriptylin niedrig oder Candesartan
  • Effektivität via Tagebuch bewerten

Stufe 3 – Zweite Prophylaxe:

  • Substanzklasse wechseln
  • Vestibuläre Rehabilitation hinzufügen

Stufe 4 – CGRP-Antikörper:

  • Neurologen-Verordnung (G-BA-Auflagen)
  • 3 Monate testen, ggf. innerhalb CGRP-Klasse wechseln
Tipps fürs Arztgespräch
  1. Diagnose ist klinisch + Ausschluss – spezialisierte Schwindelambulanz
  2. Hashimoto und VM sind verbunden – Schilddrüse optimal einstellen
  3. Erst Lifestyle + Supplemente – nicht direkt starke Medikamente
  4. Komorbidität bei Medikation beachten – nicht jede Substanz passt
  5. CGRP-Antikörper ansprechen bei Therapieversagen
  6. Vestibuläre Rehabilitation auch ohne Dauersymptome sinnvoll
  7. PPPD-Risiko bei chronischem Restschwindel früh gegensteuern
Quellen
  • Lempert T et al. Vestibular migraine: Diagnostic criteria (Update). J Vestib Res 2022
  • DGN/DMKG. S1-Leitlinie Migräne 2025 (AWMF 030/057)
  • Sharon JD et al. INVESTMENT study: Galcanezumab for VM. Headache 2024
  • Russo CV et al. Anti-CGRP for VM: prospective cohort. Cephalalgia 2023
  • Webster K et al. Pharmacological interventions for VM. Cochrane 2023
  • Frontiers in Pharmacology 2023: Network meta-analysis VM-Prophylaxe
  • Bayer O et al. PROVEMIG: Metoprolol vs Placebo bei VM. Trials 2019
  • Cantillo-Martínez et al. Vestibular Migraine: Diagnostic Challenges. J Clin Med 2025

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